Gesundheitskosten
„Hütte brennt“: Pflege-Ausgaben steigen weiter
Aktualisiert am 01.03.2026 – 07:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Versorgung pflegebedürftiger Menschen wird teurer und teurer. Die Pflegeversicherung bringt das in Nöte, die aber noch einmal abgemildert werden. Kommen die Probleme bald wirklich in den Griff?
Die Pflegeversicherung ist im vergangenen Jahr knapp an einem Defizit vorbeigeschrammt und warnt vor einer weiter angespannten Finanzlage wegen steigender Ausgaben. „Bei der Pflegeversicherung brennt die Hütte“, sagte der Chef des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Oliver Blatt, der Deutschen Presse-Agentur. In diesem Jahr soll eine nochmalige Milliardenspritze des Bundes sonst zu erwartende rote Zahlen abwenden.
Mit einem Plus von zehn Millionen Euro habe die Pflegeversicherung 2025 „gerade eine schwarze Null geschafft“, sagte Blatt – und das auch nur dank eines Bundes-Darlehens über 500 Millionen Euro. Für dieses Jahr erwartet der Verband, der auch die Pflegekassen vertritt, 400 Millionen Euro Überschuss. Eingerechnet ist aber ein neues Darlehen von 3,2 Milliarden Euro. „Das ehrliche Ergebnis ist also ein erwartetes Minus von 2,8 Milliarden Euro“, erläuterte Blatt.
Der Verbandschef mahnte: „Sofern die Politik das Ruder nicht herumreißt, werden die Finanzprobleme im nächsten Jahr noch größer und nicht etwa kleiner.“ Stand heute sei für 2027 mit einem Defizit der Pflegeversicherung von knapp fünf Milliarden Euro zu rechnen. „Uns läuft die Zeit weg“, sagte Blatt.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) peilt eine große Finanzreform für die Pflege bis Jahresende an. Sie beriet darüber auch schon in einer Arbeitsgruppe mit den Ländern. Heraus kam ein Ergebnispapier, das Optionen für Maßnahmen bei Einnahmen und Ausgaben mit den jeweiligen Finanzfolgen aufführt. Kanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich aber unzufrieden mit dem Ergebnis und machte klar, dass weitergehende Beratungen notwendig sind.
Finanznöte in der Pflege sind inzwischen chronisch geworden, auch nach der jüngsten Beitragsanhebung um 0,2 Punkte Anfang 2025. Der Beitrag liegt nun bei einem Kind bei 3,6 Prozent des Bruttolohns, für Menschen ohne Kinder bei 4,2 Prozent. Die Beitragseinnahmen stiegen im vergangenen Jahr auch deshalb kräftig, und zwar um elf Prozent auf 72,5 Milliarden Euro. Mit dem Darlehen von 500 Millionen Euro und weiteren Einnahmen konnten damit die Ausgaben von 73,8 Milliarden Euro gedeckt werden, die um 8,2 Prozent nach oben gingen.
Für dieses Jahr rechnet die Pflegeversicherung jetzt mit einem weiteren Anwachsen der Ausgaben um sieben Prozent auf 79 Milliarden Euro – während die reinen Beitragseinnahmen nur noch um vier Prozent auf 75,3 Milliarden Euro steigen dürften. Um den größten Teil der Lücke zu füllen, hat der Bund deshalb schon beschlossen, erneut ein Darlehen von diesmal 3,2 Milliarden Euro zu geben. Die Pflegebeiträge konnten so zu Jahresbeginn stabil gehalten werden.










