Gut fürs Gedächtnis
Musik als Demenzvorsorge? Das sagt die Wissenschaft
27.02.2026 – 15:32 UhrLesedauer: 3 Min.
Wer Musik macht, tut seinem Gehirn etwas Gutes. Doch kann Musizieren auch das Gedächtnis stärken – und sogar zur Demenzvorsorge beitragen?
Ob ein Mensch eines Tages an Demenz erkranken wird oder nicht, liegt nur zum Teil in seiner Hand: Fachleute gehen davon aus, dass etwa 40 Prozent des Demenzrisikos beeinflussbar sind. Zu den wichtigsten Schutzfaktoren gehört neben ausreichend Bewegung, einer gesunden Ernährung und dem Verzicht auf Drogen auch die sogenannte kognitive Reserve – und diese lässt sich womöglich unter anderem durch Musizieren steigern.
Die kognitive Reserve bezeichnet gewissermaßen die Widerstandsfähigkeit des Gehirns, beispielsweise gegenüber krankhaften oder verletzungsbedingten Schädigungen. Je ausgeprägter diese Fähigkeit, umso besser gelingt es dem Gehirn, seine Ressourcen so flexibel und effizient zu nutzen, dass es Verluste beziehungsweise Veränderungen kompensieren kann: Wenn zwei Menschen ähnliche krankhafte Veränderungen im Gehirn aufweisen, etwa für Alzheimer typische Ablagerungen oder Schrumpfungen bestimmter Regionen, zeigt die Person mit höherer kognitiver Reserve im Vergleich oft später oder mildere Gedächtnis- und Alltagsprobleme als jemand mit geringerer Reserve.
Eine ausgeprägte kognitive Reserve haben vor allem Personen, die
Ein Instrument oder das Singen zu erlernen, ist geistig anspruchsvoll. Wer mit anderen musiziert, etwa in einer Band, einem Orchester oder einem Chor, sorgt zudem für zwischenmenschliche Begegnungen. Das heißt: Musik zu machen, kann die kognitive Reserve auf mehrere Weisen bereichern.
Dass Musizieren der Hirngesundheit prinzipiell zuträglich ist, gilt als gesichert. Noch nicht ausreichend erforscht ist, ob und inwieweit Musizieren eine wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Demenz darstellt. Einzelne wissenschaftliche Befunde bieten Anlass zu vorsichtigem Optimismus, zum Beispiel die Ergebnisse einer britischen Untersuchung, die 2024 im Magazin „Geriatric Psychiatry“ veröffentlicht wurden.
Das Forschungsteam wertete Daten von mehr als 1.100 Teilnehmern einer großen Langzeitstudie aus, die seit über zehn Jahren der Frage nachgeht, warum Menschen an Demenz erkranken. Die für die Analyse ausgewählten Personen waren im Schnitt 68 Jahre alt und überwiegend weiblich. Sie sollten zum einen detaillierte Angaben dazu machen, ob und wie lange sie im Laufe ihres Lebens musiziert oder sich anderweitig intensiv mit Musik beschäftigt hatten. Zum anderen ließ das Team sie standardisierte kognitive Tests absolvieren.
Dabei zeigte sich: Wer jahrelang regelmäßig ein Instrument gespielt hatte, verfügte im höheren Lebensalter tatsächlich über eine größere geistige Leistungsfähigkeit. Auch Singen war mit einer verbesserten Hirngesundheit verbunden, allerdings nicht im gleichen Maße wie beim Spielen eines Instruments. Bloßes Musikhören hingegen scheint sich laut der Ergebnisse nicht zur Stärkung der Geisteskräfte zu eignen.
All das legt nahe, dass Musizieren ein sinnvoller Baustein der Demenzvorsorge sein könnte. Als Wirksamkeitsbeweis taugen Untersuchungen wie diese allerdings nicht. Denn sie belegen nur einen Zusammenhang, keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Denkbar wäre zum Beispiel auch, dass Menschen mit höherer Bildung oder größerer kognitiver Reserve eher ein Instrument erlernen und deshalb im Alter bessere Testergebnisse erzielen. Die Studien versuchen zwar, solche Faktoren statistisch zu berücksichtigen, ganz ausschließen lässt sich dieser Einfluss jedoch nicht.











