Uneins waren sich Amann und Ziemiak zu Beginn der Talkshow auch über das Urteil zum CDU-Parteitag. Die Journalistin sprach von einer „Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltung“ mit verwässerten Botschaften. Die Abschaffung der telefonischen Krankmeldung sei noch die radikalste Idee gewesen. „Jetzt seien wir mal ehrlich: Das war ein Wahlparteitag“, räumte Ziemiak zwar ein und forderte, in diesem Jahr müsse viel passieren. Der Parteitag sei aber gut gewesen und habe ein sehr gutes Wahlergebnis für Parteichef Friedrich Merz gebracht.
Das Mitglied im CDU-Parteivorstand äußerte sich erneut skeptisch zu einem AfD-Verbotsverfahren. Das heutige Urteil zeige, dass bei den Voraussetzungen alles noch ungewiss sei, sagte er. Ziemiak betonte aber auch, dass die AfD eine für die Zukunft unseres Landes gefährliche Partei sei. Am Donnerstag hatte das Verwaltungsgericht Köln entschieden, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als gesichert rechtsextremistisch einstufen darf. Das Gericht hatte angezweifelt, ob einzelne verfassungsfeindliche Bestrebungen in der AfD tatsächlich die Partei als Ganzes prägen.
Martenstein hatte kürzlich mit einer Brandrede gegen ein AfD-Verbotsverfahren bei einem Theaterstück im Hamburger Thalia Theater Aufsehen erregt. „Das ist meine Haltung in der Frage“, bestätigte der „Bild“-Kolumnist. Sich gegen ein Verbotsverfahren auszusprechen, sei legitim und vergifte keinesfalls die Debattenkultur, wehrte sich Martenstein gegen Kritik. „Die Rechte gehört zum politischen Spektrum“, bekräftigte er. Eine Demokratie müsse ein sehr breites Spektrum an politischen Meinungen erlauben.
Vier Jahre nach Beginn des Großangriffs Russlands spielte natürlich auch der Ukraine-Krieg eine Rolle bei „Markus Lanz“. Militärexperte Carlo Masala spekulierte, ob es dem russischen Machthaber Wladimir Putin in erster Linie nicht um Gebietsgewinne oder generell um einen Krieg in Europa gehen könnte. Vielleicht sei das wahre Ziel, die Nato zu spalten und zu erledigen, sagte der Politologe der Universität der Bundeswehr München.
Dazu brauche es keinen großflächigen Angriff. Putin könne testen wollen, ob die Nato-Partner wegen einer Stadt oder einer Insel zu einem vollumfänglichen Konflikt mit nuklearer Komponente bereit seien. Alle Signale aus den USA deuteten darauf hin, dass die Vereinigten Staaten nicht dabei wären. Das würde auch europäische Staaten veranlassen, sich zurückzuziehen, warnte Masala.
Nadelstiche auf Geheiß Russlands gegen die Nato gibt es derzeit bereits ständig an der polnischen Grenze, wo Migranten mithilfe der Regierung von Belarus versuchen, in die EU zu gelangen, wie Ziemiak sagte. „Polen wird jeden Tag angegriffen“, sagte der in Stettin geborene Politiker. „Die Mentalität in Polen ist ganz anders“, ergänzte Ziemiak und berichtete von Schulkassen ab der neunten/zehnten Klasse, die in Uniform an Gewehren ausgebildet werden. Für die Polen heiße es nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs „Nie wieder Unfreiheit“, sagte Ziemiak: „Putin soll wissen: Er soll es gar nicht versuchen.“










