Langlebigkeit
Beeinflussen kaum bekannte Blutmoleküle, wie alt wir werden?
25.02.2026 – 11:08 UhrLesedauer: 3 Min.
Wie viel Lebenszeit einem Menschen noch bleibt, könnte ein simpler Bluttest abschätzen helfen: Bestimmte winzige Moleküle im Blut haben offenbar eine erstaunlich gute Vorhersagekraft.
Warum manche uralt werden und andere vergleichsweise früh sterben, ist in Teilen ein Rätsel. Nach Erklärungen sucht die Forschung vor allem im Erbgut und im Lebensstil. Nun rückt eine neue Studie einen bislang kaum beachteten Einflussfaktor ins Zentrum: eine Gruppe noch wenig erforschter Moleküle im menschlichen Blut, sogenannte piRNAs.
Nur wenige dieser RNA-Moleküle gaben in der Untersuchung verlässlich Auskunft über das kurzfristige Sterberisiko betagter Menschen. Studienautorin Virginia Byers Kraus von der Duke Universität in North Carolina und ihre Arbeitsgruppe halten es sogar für möglich, dass die Moleküle selbst eine aktive Rolle im Alterungsprozess spielen könnten.
Das Forschungsteam wertete Daten aus einer Langzeitstudie mit mehr als 1.200 älteren Erwachsenen aus. Solche Studien begleiten Menschen über viele Jahre hinweg und erfassen regelmäßig eine Vielzahl von Gesundheitsinformationen – darunter medizinische Untersuchungen, Laborwerte, Angaben zum Lebensstil und bestehende Erkrankungen. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler Blutproben der Teilnehmer. Insbesondere interessierten sie sich für winzige RNA-Moleküle, die im Blut zirkulieren.
So erhielten die Forscher große Datenmengen, in denen sie mithilfe computergestützter Verfahren nach Antworten auf ihre zentrale Frage fahndeten: Verrät das Blut etwas über die verbleibende Überlebenszeit?
Spezielle Programme durchsuchten die zahlreichen Messwerte nach auffälligen Mustern. Vereinfacht gesagt prüften die Programme, welche Kombinationen von Gesundheitsdaten und Blutbestandteilen besonders eng mit dem späteren Überleben der Teilnehmer zusammenhingen. Letztere konnten sie anhand nationaler Sterberegister ermitteln. So ließ sich nachvollziehen, wer wann verstorben war – und welche biologischen Merkmale zuvor messbar gewesen waren.
Wie die Ergebnisse nahelegen, können die Art und der Spiegel von piRNAs im Blut eines Menschen Hinweise auf dessen Überlebenswahrscheinlichkeit in den folgenden zwei Jahren liefern. In manchen Fällen erwiesen sich diese Blutmerkmale sogar als aussagekräftiger als klassische Risikofaktoren wie Alter, Cholesterinwerte oder Angaben zur körperlichen Aktivität.
Zu denken gibt den Forschern vor allem eine Beobachtung: Langlebigkeit hängt offenbar eng mit einer geringen Blutkonzentration bestimmter piRNAs zusammen. „Wir wissen sehr wenig über piRNAs im Blut, aber wir sehen, dass niedrigere Spiegel bestimmter Varianten günstiger sind“, sagt Studienautorin Byers Kraus. „Höhere Spiegel könnten darauf hindeuten, dass etwas im Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist.“
Warum sich dieser Zusammenhang zeigt, ist bislang unklar. Möglich ist, dass die Moleküle lediglich anzeigen, was im Körper geschieht – etwa ob Zellen unter Belastung stehen, Entzündungsprozesse ablaufen oder, allgemeiner, wie stabil die biologischen Schutz- und Regelsysteme eines Organismus arbeiten. In diesem Fall wären piRNAs vor allem Marker: molekulare Messwerte, die Hinweise auf den Gesundheitszustand liefern.











