Viel prominenter setzt die Linke allerdings auf die Themen Mieten, Preise und soziale Gerechtigkeit, eigentlich Kernthemen der Sozialdemokraten. Auch damit spricht sie unter anderem Studierende an, die keine Wohnungen mehr finden, aber eben auch Menschen aus den unteren Einkommensschichten, so Decker.
Der Politikwissenschaftler sieht auch noch ein Momentum für die Partei. „Die Grünen sind in der Defensive, und die SPD hat große Probleme, ihre Themen in der Koalition durchzusetzen“, so Decker. „Die Linke ist derzeit in – ich würde fast sagen – genialer Weise in der Lage, das zu nutzen.“ Decker führt vor allem drei Punkte an, die den Erfolg der Linken ausmachen. Erstens die Ansprache in sozialen Medien wie TikTok, allen voran der Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek. Zweitens der traditionelle Wahlkampf an den Türen, wobei die Partei von den Zehntausenden Mitgliedern profitiert, die neu eingetreten und hoch motiviert sind. Und drittens von dem Wiederbeleben des „Kümmerer-Image“, das die Partei früher in den ostdeutschen Bundesländern hatte. Decker verweist dabei etwa auf den Heizkostenrechner oder Sozialberatungen der Partei.
Ob humanitäre Flüchtlingspolitik, der Einsatz für niedrige Preise oder der Kampf gegen Rechtsextremismus – bei diesen Themen genießt die Linke eine hohe Glaubwürdigkeit bei ihrer Anhängerschaft. Doch das Image hat zuletzt Risse bekommen: So setzte die oppositionelle Linke im Thüringer Landtag Anfang Februar einen Antrag zur Finanzierung von Sportstätten durch – mit den Stimmen der in dem Bundesland besonders radikalen AfD. Eine Zufallsmehrheit, rechtfertigte Heidi Reichinnek die Abstimmung später. Doch erst wenige Wochen zuvor hatte sie genau vor solchen Zufallsmehrheiten gewarnt. Und es stellte sich heraus: Die AfD hatte kurz vor der Abstimmung angekündigt, für den Antrag stimmen zu wollen.
Ein paar Tage später folgte der nächste Kratzer: Bilder, die in sozialen Medien verbreitet wurden, zeigten Reichinnek vor einem Audi A8 mit ihren Initialen und ihrem Geburtsdatum auf dem Kennzeichen. Zwar ist das rund 100.000 Euro teure Auto ein Leasingwagen der Bundestagsfraktion und nicht ein Privatwagen Reichinneks, die nach Angaben der Fraktion gar kein Auto besitzt. Unpassend aber wirkt es auf viele schon bei einer Partei, die oft gegen „die da oben“ agitiert.











