Umbruch nach Olympia
Das deutsche Biathlon bekommt ein neues Gesicht
Aktualisiert am 22.02.2026 – 11:05 UhrLesedauer: 5 Min.

Nur eine Medaille in Antholz, die Konkurrenz aus Norwegen und Frankreich ist enteilt: Das deutsche Biathlon hat schon bessere Zeiten erlebt. Nun wird einiges passieren.
Aus Antholz berichtet Benjamin Zurmühl
Mit dem emotionalen Abschied von Franziska Preuß hatten die Olympischen Spiele für das deutsche Biathlon-Team immerhin noch einen kleinen Höhepunkt zum Schluss. Denn mit den Ergebnissen in den zwei Wochen zuvor waren Sportler und Funktionäre nicht zufrieden. Nur eine Medaille im Biathlon, das ist zu wenig für den DSV. Zwar gab es mehrere vierte Plätze, beispielsweise im Damen-Einzel (Vanessa Voigt) oder im Herren-Massenstart (Philipp Horn), doch anders als im Weltcup ist es bei Olympia egal, ob es Rang vier oder Rang elf ist, eine Medaille gibt es nicht. Und um die geht es nun einmal.
So endete nahezu jedes Rennen aus deutscher Sicht gleich. Während im Hintergrund die französische oder die norwegische Hymne lief, mussten sich Sportdirektor Felix Bitterling und die Athleten vor der Presse erklären, warum es auch diesmal nicht so lief, wie erhofft.
Das deutsche Biathlon, es hat schon bessere Zeiten erlebt. Die letzte Einzelmedaille der Herren datiert aus dem Jahr 2018, bei den Frauen war zumindest Denise Herrmann-Wick vor vier Jahren in Peking erfolgreich. Zufrieden ist mit der Ausbeute aber beim DSV kaum jemand, schließlich ist die Konkurrenz aus Norwegen und Frankreich enteilt. Frankreich holte 13 Medaillen, darunter sechs goldene. Norwegen holte elf Medaillen, darunter drei goldene. Im deutschen Biathlon muss sich etwas tun, damit der DSV nicht auch langfristig im Mittelmaß verschwindet, sondern zu alter Stärke zurückfindet. Einige Schritte wurden dafür bereits eingeleitet, andere werden noch folgen. Es steht ein gewaltiger Umbruch an.
Ein Problem im deutschen Biathlon war etwa an der Altersstruktur des Herrenkaders zu sehen. Justus Strelow war mit 29 Jahren der Jüngste im Kader. David Zobel (29), Lucas Fratzscher (31), Philipp Horn (31) und Philipp Nawrath (33) komplettierten das Aufgebot. Es fehlt der Druck der jüngeren Generation. Während sich in Frankreich Quentin Fillon Maillet (33) permanent gegen Éric Perrot (24) behaupten muss, gab es diese Gegenspieler bei den deutschen Herren zuletzt nicht.
Bei den Frauen klaffte eine große Lücke zwischen einer gestandenen Athletin wie Vanessa Voigt (28) und jüngeren Talenten wie Selina Grotian (21) oder Julia Tannheimer (20). Auch hier mangelte es oft an Druck. „Und das ist nie gut“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling: „Uns haben ein oder zwei Athletengenerationen einfach gefehlt.“ Die Erfolge von Franziska Preuß in der Vorsaison mit dem Gesamtweltcup und einer starken WM in Lenzerheide täuschten über viele Probleme im deutschen Biathlon hinweg. Ein Sieggarant, oder wie Bitterling ihn nannte, ein „X-Faktor-Athlet“, fehlte.










