Vom Pilotprojekt zum Alltagstest
Rewe baut Lieferdienst mit Robotern aus
21.02.2026 – 10:44 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein kleiner Roboter rollt durch Hamburg – und bringt bald vielleicht auch Ihre Einkäufe nach Hause. Doch diesmal steckt mehr dahinter als nur ein Technik-Test.
Ein kleiner, weißer Roboter rollt mit knapp sechs Kilometern pro Stunde über Hamburgs Gehwege. Er weicht Mülltonnen aus, stoppt an roten Ampeln und findet selbstständig seinen Weg zum Ziel. Zwölf Kameras, eine Sensorsuite, Radar und sogenannte Time-of-Flight-Technologie (TOF) erfassen die Umgebung. Künstliche Intelligenz steuert das Fahrzeug sicher durch den Alltag. Darüber berichtet die „Bild“.
Ganz neu ist das allerdings nicht: Schon vor drei Jahren testete Rewe Lieferroboter in Hamburg. Doch dieses Mal soll vieles anders sein. Was genau hat sich verändert? Und warum sieht man die rollenden Helfer bislang noch nicht flächendeckend im Einsatz?
Bereits 2023 hatte Rewe in Hamburg Lieferroboter getestet – damals in einem eher experimentellen Rahmen. Der neue Test markiert nun laut Unternehmen die nächste Evolutionsstufe: „Lieferbot 2.0“. Im Mittelpunkt stehen ein erweiterter Service, längere Einsatzzeiten und vor allem die Alltagstauglichkeit. Während frühere Pilotprojekte vor allem die technische Machbarkeit prüften, geht es jetzt um die Frage: Funktioniert das Konzept im echten Leben – und nehmen Kundinnen und Kunden es an?
Technologiepartner ist Starship Technologies, ein auf autonome Lieferfahrzeuge spezialisiertes Unternehmen. Die Roboter sind TÜV-zertifiziert und fahren batteriebetrieben. Sie stoßen also keine Emissionen aus. Laut Rewe verbraucht eine durchschnittliche Lieferung so wenig Energie wie das Kochen einer Tasse Tee.
Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte „Bild“: „Der Rewe-Lieferbot zeigt, wie Innovation direkt auf den Bürgersteig kommt. In Hamburg werden Zukunftsideen umgesetzt – hier wird nicht nur über Innovation gesprochen, hier fährt sie durch die Stadt.“
Auch technisch hat sich einiges getan. Die aktuelle Robotergeneration arbeitet mit 360-Grad-Kameras und Künstlicher Intelligenz, um sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Doch der entscheidende Unterschied liegt im Anspruch des Projekts: Statt eines reinen Techniktests steht nun die Praxistauglichkeit im Vordergrund.
Rewe hat zudem die Einsatzzeiten deutlich ausgeweitet. Während die erste Hamburger Testphase nur werktags zwischen 11 und 15 Uhr stattfand, rollen die Roboter jetzt montags bis samstags von etwa 8 bis 21 Uhr durch das Testgebiet. Andreas Persigehl, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Rewe Region Nord, sagt: „Die kleine Lieferbot-Flotte ist für uns ein wichtiger Baustein, um unser Angebot und unseren Service zu flexibilisieren.“
Auch das Sortiment wächst. In früheren Tests schloss Rewe viele Warengruppen aus – etwa gekühlte Frischeartikel, Tiefkühlware oder Getränkekisten. Beim „Lieferbot 2.0“ können Kundinnen und Kunden nun neben dem Trockensortiment auch Obst, Gemüse sowie gekühlte Produkte wie Milch oder Käse bestellen. Getränkekisten und Tiefkühlprodukte bleiben allerdings weiterhin außen vor.
Der aktuelle Praxistest läuft rund um einen Rewe-Markt im Hamburger Stadtteil Barmbek. Der Lieferradius beträgt etwa zwei Kilometer. Bestellungen sollen innerhalb von 30 bis 45 Minuten ankommen. Die erste Lieferung ist dem Bericht zufolge kostenlos. Ab der zweiten Bestellung berechnet Rewe 1,99 Euro. Wer für mindestens 35 Euro einkauft, zahlt keine Liefergebühr. Der Mindestbestellwert liegt bei 10 Euro.
Rewe beschreibt den Test bereits als nächsten Schritt in Richtung eines regulären Betriebs – nicht mehr als reines Kurzzeit-Pilotprojekt. Ob und wann das Unternehmen die Technologie auf weitere Märkte ausweitet, bleibt jedoch offen. Zunächst will Rewe die Ergebnisse aus Hamburg-Barmbek auswerten.










