Anbau in Norddeutschland
Das ist Niedersachsens geheimer Weingarten
Aktualisiert am 20.02.2026 – 19:15 UhrLesedauer: 3 Min.
Abseits der großen Weinregionen hat sich auch in Niedersachsen eine kleine, aber feine Weinbauer-Gemeinschaft gefunden. Hier können Interessierte auch direkt mitmachen.
Rheinhessen, Pfalz, Baden: Deutschlands Süden ist Weinland. Dort sind riesige Gebiete für den Weinanbau bekannt. Doch auch in Niedersachsen wird inzwischen Wein angebaut. Sicherlich hat die Region Höhbeck und im Wendland nicht den wirtschaftlichen Einfluss. Doch die Bemühungen zeigen, wie traditionelle Landwirtschaft und moderne, ökologische Bewirtschaftung zusammenwirken können.
Noch bis vor wenigen Jahren galt Niedersachsen nicht als Weinbauregion – doch inzwischen hat sich in dieser Ecke Norddeutschlands eine eigenständige Weinkultur entwickelt. Seit 2016 ist der kommerzielle Weinanbau im Bundesland offiziell erlaubt. Bis 2024 ist die Fläche, auf der professionell Wein angebaut wird, von 7,6 Hektar auf 47,3 Hektar angewachsen. Seither entstehen vielerorts kleine Weingärten – auch am Höhbeck, einer landschaftlich reizvollen Erhebung an der Elbe mit Blick auf das malerische Hitzacker.
Ein besonderes Beispiel ist der Weinhof Belitz in Vietze, einem Ortsteil von Höhbeck. Die Familie Belitz baut dort auf rund 4.000 Quadratmetern pilzwiderstandsfähige Rebsorten wie Solaris, Souvignier Gris und Cabernet Blanc an. Die Sorten gelten als hitzeresistenter als andere Traubensorten und sollen so auch dem Klimawandel standhalten. Der Betrieb arbeitet streng biologisch, verzichtet auf chemische Spritzmittel und alle Trauben werden von Hand gelesen. Die Weine wurden überregional bereits ausgezeichnet.
In der Region rund um Lüchow-Dannenberg entstehen nach und nach weitere Projekte, die das Potenzial des norddeutschen Terroirs ausloten. So engagiert sich etwa die Initiative „WeinKultur Wendland“ in der Nähe von Lübeln für einen ökologisch orientierten, gemeinschaftlich getragenen Weinbau, bei dem Nachhaltigkeit und regionale Identität im Mittelpunkt stehen.
In Meuchefitz, unweit eines alternativen Kulturzentrums, betreiben lokale Gruppen einen kleinen, experimentellen Weingarten – ebenfalls ohne chemische Mittel. Und auch auf dem Höhbeck selbst, etwa bei Brünkendorf, haben sich neben dem Weinhof Belitz weitere Weinfreunde zusammengeschlossen, um die historische Weintradition der Region im Kleinen neu zu beleben.
Schon im 16. Jahrhundert wurde in Hitzacker Wein angebaut. Nach einem Hagelsturm im Jahr 1713 kam die Tradition jedoch für lange Zeit zum Erliegen. Erst in jüngerer Zeit griffen engagierte Hobbywinzer die Idee wieder auf – und aus dem anfänglichen Interesse entwickelte sich zunehmend professionelle Arbeit. Heute zählt die Region flächenmäßig zu den kleinsten Weinanbaugebieten Deutschlands. Doch gerade das macht ihren Reiz aus: Hier steht nicht Masse, sondern leidenschaftliches Handwerk im Vordergrund.










