Zum Abschluss der Karnevalstage brennt in Köln der Nubbel. Doch der Sündenbock darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Dinge auch in unserer Hand liegen.
Bei den kleinen persönlichen Verfehlungen der Karnevalszeit mag es ein erleichternder Gedanke sein, im Nubbel einen Sündenbock gefunden zu haben. Wenn die Redner bei der Nubbelverbrennung aber auf die großen Krisen unserer Zeit zu sprechen kommen, dann greift das karnevalistische Konzept von Schuld und Sühne zu kurz: Klimawandel, Rechtsruck, Konflikte und Kriege – damit hat die arme Strohpuppe nichts zu schaffen.
Der Nubbel macht keine Kreuze in der Wahlkabine, er treibt die Erderwärmung nicht voran, er füttert keine Künstlichen Intelligenzen mit seinen Daten und er finanziert keine skrupellosen Tech-Unternehmer mit monatlichen Zahlungen. Der Nubbel macht sich nicht zum Untertan von gierigen Milliardären, die mit der Welt Monopoly spielen. Und anders als die steht der Nubbel nicht in den Epstein-Akten.
Und was der Nubbel auch nicht macht: Angesichts all dessen mit den Schultern zucken und sich der eigenen vermeintlichen Machtlosigkeit ergeben. Nein, das macht der Nubbel nicht – das machen wir.
Das Motto für die Karnevalssession 2027 lautet „Morje es, wat do drus mähs!“, also „Morgen ist, was du daraus machst“. Und dieses Motto sollten wir uns auch außerhalb der Session zu Herzen nehmen: Eigenverantwortung statt Schuldzuweisung, Selbstbewusstsein statt Opferhaltung. Von „do mähste nix“ zur Erkenntnis, dass viele Dinge auch in unserer Macht liegen. Denn: Et kütt nicht, wie et kütt – et kütt, wie wir zulassen, dass et kütt.











