Ex-Chefin packt aus
AfD-Verbot: Hamburger Theater macht Partei den Prozess
t-online, dpa, Martin Fischer
13.02.2026 – 11:22 UhrLesedauer: 3 Min.
Seit Jahren wird in Deutschland über ein mögliches Verbotsverfahren gegen die AfD diskutiert. Auf einer Theaterbühne in Hamburg gibt es nun einen Prozess.
Der „Prozess gegen Deutschland“ wird im Thalia Theater in Hamburg verhandelt – zumindest auf der Bühne. Die Premiere ist für heute Abend angesetzt, die Inszenierung ist auf drei Tage angelegt. Im Zentrum steht die AfD, die in der politischen Debatte bei der Frage eines Parteiverbots häufig von Inszenierung spricht.
Genau dieses Spannungsfeld greift das Stück auf, das der Schweizer Regisseur und Intendant der Wiener Festwochen, Milo Rau, im Rahmen der Lessingtage inszeniert.
Rau widmet sich den aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland und stellt die Frage, ob ein Verbot der AfD möglich oder sogar rechtlich geboten ist, wie es in der Ankündigung heißt. Geprüft werden soll unter anderem, ob die Partei „aggressiv-kämpferisch“ gegen die Demokratie vorgeht und fortgesetzt gegen das Grundgesetz verstößt, indem sie „mit allen Mitteln die Meinungsfreiheit ihrer Kritiker*innen bekämpft“.
Das sind Fragen, die auch bei einem realen Verbotsverfahren gegen eine Partei eine zentrale Rolle spielen würden.
Darüber hinaus sollen in der „juristisch-theatralen Untersuchung“ Themen wie „die Welt des Techno-Faschismus, die MAGA-Propagandawalze des Silicon Valley und das mediale Ökosystem rechtsextremer Gehirnwäsche“ behandelt werden – mit Blick auf Deutschland und internationale Entwicklungen.
Ungewöhnlich ist nicht nur der mehrtägige Ablauf. In drei Abend- und zwei Vormittagsveranstaltungen wird verhandelt. Auf der Bühne stehen keine Schauspieler, sondern Fachleute. Als Vorsitzende Richterin fungiert Herta Däubler-Gmelin, frühere Bundesjustizministerin und langjährige SPD-Politikerin.
Laut Besetzungsliste sind weitere Juristen sowie „Expertinnen, Protagonistinnen, Skandalfiguren, Influencer*innen, Betroffene und Opfer“ beteiligt. Journalisten übernehmen die Rolle von Gerichtsreportern. Auf der Rednerliste zur Eröffnung stehen Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) und die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry.
Den Auftakt bilden die Eröffnungsplädoyers am Freitagabend. In insgesamt fünf Terminen werden drei „Fälle“ behandelt. Neben der Frage eines Parteiverbots geht es auch um die Frage: „Verherrlicht die AfD Gewalt?“ Zudem steht zur Debatte: „Sollte es ein Social-Media-Verbot für alle unter 16 geben?“
Die Schlussplädoyers und die Entscheidungen der Geschworenen sind für die Abendvorstellung am Sonntag vorgesehen.










