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Rund 45.000 Haushalte blieben im Südwesten Berlins ohne Strom, nachdem Hochspannungsleitungen durch einen Brand beschädigt worden waren, den die Behörden als politisch motivierten Angriff von Linksextremisten bezeichneten.
Obwohl in einigen Gebieten die Stromversorgung wiederhergestellt wurde, könnten Tausende bis Donnerstag ohne Strom bleiben, nachdem es sich nach Angaben der Behörden um einen politisch motivierten Angriff von „Linksextremisten“ handelte.
Das Feuer brach am Samstagmorgen auf einer Kabelbrücke über den Teltowkanal in der Nähe des Kraftwerks Lichterfelde aus, teilten örtliche Behörden mit. Betroffen waren 2.200 Unternehmen und 45.000 Haushalte in vier Bezirken, die ihren Zugang zu Elektrizität, einschließlich Internet und Heizung, unterbrachen.
Viele im Südwesten Berlins tappen noch im Dunkeln
Während die Polizei weiter ermittelt, sind zahlreiche Haushalte im Südwesten Berlins noch immer ohne Strom. Für die Betroffenen wurde nun eine erste Notunterkunft eingerichtet. In einem Sportzentrum am Hüttenweg im Ortsteil Zehlendorf steht nach Angaben eines Feuerwehrsprechers nun eine Kreisbetreuungsstelle zur Verfügung.
Am Sonntagmorgen war für einige der Strom wieder da, während die Behörden davon ausgehen, dass rund 35.000 andere aufgrund des Schneewetters und der eisigen Temperaturen, die die Reparaturen verlangsamt haben, erst am Donnerstag mit Strom versorgt werden.
Die Behörden sagten außerdem, sie würden daran arbeiten, die Echtheit eines Schreibens zu bestätigen, in dem die Verantwortung für den Vorfall übernommen werde.
In dem Brief, der auch dem rbb vorliegt, bekannte sich die anarchistische „Volcano Group“ zur Verantwortung.
Berichten zufolge enthielt der Text Einzelheiten darüber, wie es zu dem Brand kam. Die Echtheit des Briefes sei jedoch noch nicht bestätigt, teilte die Berliner Polizei am Samstagabend auf Medienanfrage mit.
Was ist über die „Volcano Group“ bekannt?
Den Sicherheitsbehörden liegen seit Jahren Informationen über die „Volcano Group“ vor. Laut Inlandsgeheimdiensten wurde die Gruppe im Jahr 2011 gegründet. Der Berliner Verfassungsschutz hat sich seitdem mehrfach mit ihr befasst, unter anderem in den Jahren 2011, 2013, 2018, 2019 und 2024.
„Die Gruppe gehört zum linksextremistischen Spektrum“, sagte der Sicherheitsexperte Felix Neumann von der Konrad-Adenauer-Stiftung in einem Interview mit dem Magazin Stern.
Eine Analyse früherer Bekennerschreiben des Inlandsgeheimdienstes ergab, dass die Gruppe einen anarchistischen Charakter hat. Inhaltlich geht es vor allem um Fragen rund um den Klimawandel und die Klimakrise.
Es ist unklar, wie viele Personen der Gruppe angehören. Zu Mitgliederzahlen und internen Strukturen gibt es laut Neumann keine verlässlichen Angaben. Bisher war es vor allem in Berlin und Brandenburg aktiv. Bisherige Ziele waren unter anderem Kabelkanäle, Funkanlagen und Strommasten.
Ein ähnlicher Angriff auf das Stromnetz kam es im vergangenen Jahr
Es ist nicht das erste Mal, dass Teile Berlins nach einem Brandanschlag von einem großflächigen Stromausfall betroffen sind.
Im vergangenen September kam es bei einem Angriff auf einen Strommasten im Bezirk Treptow-Köpenick zu erheblichen Ausfällen. Damals waren rund 50.000 Haushalte und Unternehmen ohne Strom. Nach rund 60 Stunden war die volle Stromversorgung wiederhergestellt.
Nach Angaben der Behörden sind die Folgen des aktuellen Stromausfalls jedoch weitaus gravierender. Rund 2.000 Haushalte im Bezirk Lichterfelde hatten in der Nacht zum Sonntag wieder Strom.
Allerdings müssen viele Menschen in Nikolassee, Zehlendorf und Wannsee voraussichtlich bis Donnerstag warten, bis die Stromversorgung vollständig wiederhergestellt ist.
