Enforce Tac

Rund 400 Menschen demonstrieren gegen Waffenmesse in Nürnberg

21.02.2026 – 18:45 UhrLesedauer: 2 Min.

Enforce Tac in Nürnberg (Archivbild): Vom 23. bis 25. Februar findet sie wieder statt. (Quelle: IMAGO/Dwi Anoraganingrum)

Hunderte Menschen ziehen durch die Nürnberger Innenstadt, um gegen die umstrittene Sicherheitsmesse Enforce Tac zu protestieren. Weiterer Protest angekündigt.

Etwa 400 Menschen aus rund 40 Gruppen haben am Samstagnachmittag in der Nürnberger Innenstadt gegen die Waffenmesse Enforce Tac demonstriert. Die Versammlung begann um 14 Uhr mit einer Auftaktkundgebung in der Gostenhofer Hauptstraße und zog anschließend durch die Innenstadt.

Die Route führte über den Plärrer, den Kornmarkt, den Frauentorgraben, den Bahnhofsplatz, die Königstraße und die Spitalbrücke zur Abschlusskundgebung am Sebalder Platz. Das Versammlungsgeschehen verlief größtenteils störungsfrei, teilte die Nürnberger Polizei mit. Lediglich im Vorfeld der Kundgebung kam es zu einem mutmaßlichen Diebstahls- und Körperverletzungsdelikt zwischen einem Versammlungsteilnehmer und einem Passanten.

Die Demonstration richtete sich gegen die Enforce Tac, die vom 23. bis 25. Februar auf dem Nürnberger Messegelände stattfindet. Die Messe gilt als „Deutschlands Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung“ und wächst seit ihrem Start 2011 kontinuierlich. Für 2026 werden rund 1.400 Aussteller aus 50 Ländern und mehr als 20.000 Fachbesucher erwartet. Die Veranstaltungsfläche umfasst über 60.000 Quadratmeter, erstmals ist Bundeskanzler Friedrich Merz Schirmherr.

Die Messe stößt auf Kritik von Teilen der Stadtpolitik. Die Linke und die Linke Liste sehen die Veranstaltung im Widerspruch zu Nürnbergs Selbstverständnis als „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“. Sie fordern kurzfristig Einschränkungen wie die Begrenzung städtischer Beteiligung, Mindeststandards für Aussteller und Einschränkungen der realitätsnahen Demonstrationen im sogenannten „Enforce Tac Village“.

Langfristig soll die Messe ihrer Meinung nach nicht mehr von dem Veranstalter Nürnberg Messe GmbH verantwortet werden. Die Linke Liste kritisiert zudem die Präsenz israelischer Rüstungsunternehmen und frühere Präsentationen, die sie als rassistisch und gewaltverherrlichend wertet.

Die Nürnberg Messe GmbH wies die Forderungen zurück. In einer Stellungnahme betonte die Messeleitung, die Veranstaltung diene dem geschützten Austausch zwischen Behörden, Streitkräften, Industrie und Forschung. Produkte und Präsentationen würden deutschem und europäischem Recht entsprechen. Extremismus, Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und menschenverachtende Positionen hätten keinen Platz.

Eingriffe in laufende Verträge oder Änderungen an Sicherheitskonzepten seien für 2026 nicht möglich. Zugänge für das Amt für Menschenrechte, Stadtratsvertreter und Wehrbeauftragte seien jedoch gewährleistet.

Weitere Protestaktionen sind bereits angekündigt, darunter Kundgebungen an allen drei Messetagen direkt vor dem Messegelände.

Share.
Exit mobile version