Neue Studie zeigt

Pflegebereitschaft hoch – doch bei diesem Punkt hört es auf


05.06.2026 – 12:21 UhrLesedauer: 2 Min.

Hilfe beim Einkaufen: Viele Menschen sind bereit, ihre Angehörigen zu pflegen. (Quelle: IMAGO / HalfPoint Images/imago)

Viele Menschen sind bereit, die eigenen Angehörigen zu pflegen. Ein Plan der Bundesregierung sorgt entsprechend für großen Ärger.

Der Gang ins Pflegeheim ist sehr kostspielig. Zudem wünschen sich viele Menschen, möglichst lange in einer ihnen bekannten Umgebung verbringen zu können. Umso wichtiger ist es, im Fall der Pflegebedürftigkeit in der eigenen Wohnung bleiben zu können. Hierbei ist man aber häufig auf die Hilfe von Angehörigen angewiesen.

Die gute Nachricht: Ein Großteil der Deutschen zeigt sich bereit, Angehörige zu pflegen. Allerdings hat diese Bereitschaft enge Grenzen. Das zeigt eine neue repräsentative Studie des Center for Health Economics der Universität Hamburg.

Fast jeder würde Partner pflegen

Dieser zufolge können sich vier von fünf Deutschen grundsätzlich vorstellen, die Pflege für einen Angehörigen zu übernehmen. Die größte Bereitschaft besteht dabei dem eigenen Partner gegenüber. Auch für die eigenen Eltern würden viele Menschen die Verantwortung übernehmen.

Geringer ausgeprägt ist die Pflegebereitschaft indes gegenüber Geschwistern, Groß- und Schwiegereltern, wobei auch hier immer noch mehr als 80 Prozent zustimmen. Bei Nachbarn zeigt sich die Mehrheit indes nicht willens, bei der Pflege zu helfen.

Vor allem Frauen signalisieren Einsatzbereitschaft, bei der Pflege anderer mitanzupacken. Auch bei Menschen mit höherer Bildung oder eigenen Kindern ist die Pflegebereitschaft ausgeprägt. Die höchste Bereitschaft besteht allerdings bei Menschen, die bereits jetzt schon Angehörige pflegen – diese wollen dies in den meisten Fällen auch weiterhin tun.

Allerdings sind viele Befragte nur zu bestimmten Hilfsleistungen bereit. So kann sich fast jeder (95 Prozent) vorstellen, beim Einkaufen zu helfen. Auch Transportfahrten sind für viele vorstellbar. Deutlich weniger Menschen sind hingegen zur Grundpflege bereit. Diese umfasst intime Tätigkeiten, wie beispielsweise das Waschen des Pflegebedürftigen oder die Hilfe beim Toilettengang.

  • Gesetzentwurf zur Pflegereform liegt vor: Tiefgreifende Änderungen für Millionen Versicherte

Unterschiede gibt es hierbei zwischen den Geschlechtern. Während Frauen eher bereit sind, bei der Essenszubereitung oder im Haushalt zu helfen, zeigen sich Männer offen für Transportfahrten oder Hilfe in finanziellen Angelegenheiten.

12 Stunden in der Woche

Zeitlich sind die Menschen bereit, rund zwölf Stunden für die Pflege anderer zu investieren. Das entspricht durchschnittlich 1,8 Stunden pro Tag. Da Menschen hierzulande rund sechs Stunden Freizeit pro Tag haben, wären sie somit bereit, ein Drittel davon in die Pflege Angehöriger zu investieren, schreiben die Forscher.

In Deutschland galten 2025 bereits sechs Millionen Menschen als pflegebedürftig. Durch die alternde Gesellschaft erhöht sich deren Zahl in den kommenden Jahren weiter. Über 5,1 Millionen Pflegebedürftige werden derzeit zu Hause betreut, häufig von Angehörigen.

Kritik an geplanter Pflegereform

Entsprechend deutlich fielen die Reaktionen auf das am Donnerstag von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken vorgelegte Reformgesetz zur Pflegeversicherung aus. Insbesondere der Plan, die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige zu kürzen, stößt auf scharfe Kritik. Der Paritätische Wohlfahrtsverband nannte den Plan einen „Schlag in die Gesichter all derjenigen, die täglich unbezahlte Pflegearbeit leisten, meistens Frauen“.

Share.
Exit mobile version