Suche nach Erdwärme
Spezialgerät bohrt 300 Meter tiefes Loch in Bremen
04.11.2025 – 10:27 UhrLesedauer: 2 Min.
Es könnte für Bremens Zukunft von großer Bedeutung sein: Finden Ingenieure Erdwärme im Boden? Falls ja, bringe das die Stadt enorm weiter in seiner Vision einer klimaneutralen City.
In Bremen startet ein zukunftsweisendes Energieprojekt: An der Humboldtstraße 179, direkt vor dem Büro der Genossenschaft Erdwärme Dich, hat am Dienstag eine rund 300 Meter tiefe Probebohrung für ein geplantes Energienetz im Umfeld der Friedensgemeinde begonnen. Ziel ist es, die technische und wirtschaftliche Machbarkeit eines Erdwärmenetzes zu testen.
Die Arbeiten laufen nach einem klaren Zeitplan: Bereits am 28. Oktober 2025 sondierte eine Baufirma den Versorgungsleitungsbau der im Boden verlaufenden Leitungen in einer 1,5 Meter tiefen Schachtung. Einen Tag später folgte eine Kampfmittelsondierung bis in eine Tiefe von sechs Metern, ehe am Montag die Baustelle eingerichtet wurde. Am Dienstag begann dann die eigentliche Bohrung, die drei Tage andauern soll.
Anschließend, so die Genossenschaft, wird ein sogenannter Thermal Response Test durchgeführt, der die Wärmeleitfähigkeit des Untergrunds bestimmt. Diese Werte sind entscheidend, um zu berechnen, wie viele Erdsonden später benötigt werden und welche Wärmemenge das Netz liefern kann.
Das Vorhaben ist Teil einer Machbarkeitsstudie für ein sogenanntes Anergienetz rund um die Friedensgemeinde. Die Stadt Bremen unterstützt das Projekt im Rahmen ihrer kommunalen Wärmeplanung, die darauf abzielt, bis spätestens 2038 klimaneutral zu werden. Laut Senat könnte rund ein Drittel des Wärmebedarfs künftig über Nah- oder Fernwärmenetze gedeckt werden – vorausgesetzt, innovative Systeme wie dieses liefern belastbare Ergebnisse.
Ein Anergienetz – auch kaltes Nahwärmenetz genannt – funktioniert mit niedrigen Temperaturen von rund 10 bis 25 Grad Celsius. Über Erdsonden wird Wärme aus dem Boden entzogen und über ein Rohrsystem zu den angeschlossenen Häusern geleitet. Dort sorgen Wärmepumpen dafür, dass die Temperatur für Heizung und Warmwasser auf das nötige Niveau gebracht wird. Der Vorteil: Diese Technologie kann auch in bestehenden Stadtquartieren eingesetzt werden, wo klassische Fernwärme oder Einzelwärmepumpen an ihre Grenzen stoßen.
Für das Viertel rund um die Humboldtstraße könnte das Projekt ein Modellfall werden. Sollte sich das Konzept bewähren, wäre es laut der Genossenschaft auch auf andere Bremer Stadtteile wie Walle, Findorff oder die Neustadt übertragbar. Zugleich betonen die Projektbeteiligten, dass die Ergebnisse der Probebohrung zunächst abgewartet werden müssen. Erst sie würden zeigen, ob das Vorhaben technisch machbar und wirtschaftlich tragfähig ist.
Für die Anwohner bedeuten die Bohrarbeiten laut Genossenschaft vorerst einige Einschränkungen: Absperrungen, Baulärm und mögliche Verkehrsbehinderungen sind in den kommenden Tagen wahrscheinlich. Langfristig könnte das Projekt jedoch ein wichtiger Schritt hin zu einer Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger werden – mit regionaler Wertschöpfung und direkter Beteiligung der Bürger über die Energiegenossenschaft.










