„Hilfe zur Pflege“
Pflege daheim: Hunderttausende verzichten auf Geld vom Staat
19.03.2026 – 12:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Wer Pflege braucht, aber nicht ohne weitere finanzielle Hilfe auskommt, kann Hilfe vom Staat beantragen. Es gibt jedoch signifikante Unterschiede zwischen den Bewohnern eines Heims und der eigenen Wohnung. Eine Studie zeigt mögliche Gründe.
Viele Pflegebedürftige mit geringem Einkommen nehmen laut einer neuen Studie die ihnen zustehenden Leistungen des Staates nicht in Anspruch. Der Pflegeexperte und Rechtswissenschaftler Thomas Klie kommt in der Studie im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands zu dem Schluss, dass in der häuslichen Pflege nicht einmal 20 Prozent der Betroffenen ihre Ansprüche auf „Hilfe zur Pflege“ geltend machen, wie aus der in Berlin veröffentlichten Erhebung hervorgeht.
Beim Sozialamt können Pflegebedürftige mit zu wenig Einkommen „Hilfe zur Pflege“ beantragen, wenn etwa die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen. Laut der Studie kommt diese Hilfe bei den Menschen in Pflegeheimen viel stärker an. Rund 42 Prozent der zuletzt rund 800.000 Pflegebedürftigen in Heimen haben sie demnach zuletzt bekommen (2023). Von den in Betracht kommenden 4,2 Millionen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad zwei bis fünf außerhalb von Einrichtungen seien es nur rund 76.000 gewesen, also nur 1,8 Prozent.
Nach Hochrechnung der Studie haben aber rund 390.000 der zu Hause gepflegten Menschen Anspruch auf die Sozialleistung. Einkommen und Vermögen würden in den Fällen zusammen mit den Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen, um die eigenen Bedarfe zu decken.
Dass mehr Menschen Hilfe zur Pflege erfolgreich beantragen könnten, nimmt die Studie auch anhand von Daten für die Grundsicherung an. Angenommen wurde, dass sich die Anteile fehlender Inanspruchnahme in beiden Fällen in etwa entsprechen. So kommt die Erhebung zu dem Ergebnis, dass mehr als 300.000 Menschen ohne Hilfe zur Pflege auskommen, obwohl sie diese bekommen könnten. Der Paritätische Gesamtverband macht Unwissenheit, Scham oder ausbleibende Beratung dafür verantwortlich.
In den Stadtstaaten Hamburg und Berlin werde Hilfe zur Pflege dabei ambulant in größerem Ausmaß gewährt, im Saarland, in Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie Rheinland-Pfalz in eher geringem, so die Studienautoren. „Bund und Länder müssen endlich die Menschen in der ambulanten Pflege in den Blick nehmen und Pflegearmut entschieden bekämpfen“, sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Rock.
