Richter sprechen Urteil

18-Jähriger fährt Kind tot – „Er wurde hingerichtet“


Aktualisiert am 18.05.2026 – 10:52 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Angeklagte im Saal des Landgerichts Heilbronn: Er wurde zu einer mehrjährigen Jugendstrafe verurteilt. (Quelle: Bernd Weißbrod/dpa)

Ein 18-Jähriger gibt Gas – ein sechs Jahre jüngeres Kind hat keine Chance. Die Gewalttat auf einem Supermarktparkplatz in Niedernhall hatte Entsetzen ausgelöst. Jetzt ist das Urteil da.

Nach dem Tod eines zwölfjährigen Jungen auf einem Supermarktparkplatz in Niedernhall ist ein 18-Jähriger wegen Mordes verurteilt worden. Das Gericht verhängte in Heilbronn eine Jugendstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Zudem wird dem Heranwachsenden seine Fahrerlaubnis entzogen. „Das Geschehen als solches ist unbegreiflich“, sagte der Richter.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft waren der 18-Jährige und das spätere Opfer auf dem Parkplatz eines Edeka-Marktes in Streit geraten. Daraufhin soll der Teenager gedroht haben, das Auto des 18-Jährigen zu zerkratzen. Der Verurteilte gab später im Prozess an, sein Auto habe ihm viel bedeutet. Die Staatsanwältin sagte, der junge Mann sei „von Rache getrieben“ gewesen und habe beschlossen, den Zwölfjährigen „als Mittel zur Machtdemonstration massiv abzustrafen“. Dann habe er den Jungen, der auf einem Fahrrad unterwegs war, mit seinem Auto verfolgt und überfahren. Er habe den Jungen angefahren und mehr als 20 Meter mitgeschleift.

Der Angeklagte selbst argumentierte, es habe sich um einen Fahrfehler gehandelt. Nie habe er den Jungen anfahren wollen. „Ich spürte nur einen Schlag, als wäre ich gegen einen Bordstein gefahren“, hieß es in einer Einlassung seiner Verteidiger. Sie forderten lediglich „Zuchtmittel“ für den Angeklagten, also etwa bestimmte Auflagen. Die Staatsanwaltschaft hingegen hatte neun Jahre Jugendstrafe gefordert.

Einsatzkräfte auf dem Parkplatz in Niedernhall kurz nach der Tat (Archivbild): Ein 18-Jähriger wurde wegen Mordes verurteilt. (Quelle: IMAGO/Fabian Koss/imago-images-bilder)

Niedernhall: Große Bestürzung nach Todesfahrt auf Parkplatz

Verhandelt wurde der Fall vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Heilbronn. Teile des Prozesses und auch die Plädoyers fanden hinter verschlossenen Türen statt. Bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres werden Angeklagte vor Gericht nicht automatisch als Erwachsene angesehen. Der Gesetzgeber betrachtet sie als Heranwachsende.

Der Fall hatte weit über die Grenzen der im Hohenlohekreis gelegenen 4.000-Einwohner-Gemeinde Niedernhall hinweg Entsetzen ausgelöst. Tagelang trauerten die Menschen am Ort des Geschehens und legten Blumen und Kerzen nieder. Bürgermeister Achim Beck hatte t-online gesagt: „Man ist durch und durch geschockt.“ Der Junge war im örtlichen Kampfsportverein aktiv. Die Mutter des getöteten Zwölfjährigen verfolgte den Prozess teils unter Tränen. Nach der Urteilsverkündung sagte sie laut SWR: „Er wurde hingerichtet.“

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