„Ein sehr kranker junger Mann“

17 Schüsse abgegeben: 19-Jähriger tötete Polizisten

Aktualisiert am 11.02.2026 – 15:48 UhrLesedauer: 3 Min.

Der Angeklagte und sein Verteidiger Michael Rehberger: Der 19-Jährige soll einen Polizisten getötet haben. (Quelle: Laszlo Pinter/dpa)

Ein Tankstellenüberfall geht schief. Einer der mutmaßlichen Täter flüchtet, Polizisten verfolgen ihn. Kurze Zeit später ist ein Beamter tot. Jetzt beginnt der Prozess gegen einen 19-Jährigen.

Für die Witwe des getöteten Polizisten ist es ein schwerer Gang. Erstmals sitzt sie im Gerichtssaal am Landgericht Saarbrücken dem jungen Mann gegenüber, der ihren Mann im August 2025 bei einem Einsatz im saarländischen Völklingen erschossen haben soll. Die Anklage lautet auf Mord.

Immer wieder kämpft sie mit den Tränen. Vor allem als Oberstaatsanwalt Christian Nassiry beschreibt, wie der 19-Jährige sechs Schüsse auf ihren Mann – einen 34 Jahre alten Polizeioberkommissar – abgab, als dieser ihn festnehmen wollte. Der Polizist ging zu Boden und starb wenig später.

Zum Prozessauftakt gesteht der Angeklagte die tödlichen Schüsse. Er habe in der Situation Angst um sein eigenes Leben gehabt, erklärte sein Verteidiger Michael Rehberger.

Ja, er habe zuvor eine Tankstelle überfallen und knapp 600 Euro erbeutet. Dann sei er geflohen, mehrere Polizisten verfolgten ihn. Ein Polizist – ein Kommissaranwärter – holte ihn ein und packte ihn von hinten. Sein Mandant sei von einer Festnahme ausgegangen.

„Als dann ein zweiter Beamter auf ihn zielte, hatte er Angst, erschossen zu werden“, sagte Rehberger. Dieser Beamte war der später getötete Polizist, der einen Taser auf den Deutschen mit türkischen Wurzeln gerichtet hatte. „Er hatte gedacht, es sei eine Schusswaffe“, sagte Rehberger.

„In Panik“ habe der 19-Jährige aus dem Holster des Kommissaranwärters „ohne Mühe“ die Dienstwaffe gezogen und dann abgedrückt – auf den Polizisten Simon Bohr, den er tödlich verletzte. Rehberger: „Er fürchtete um sein Leben.“ Auch weitere Schüsse habe er abgegeben. Der Polizist in Ausbildung wurde dabei verletzt.

„Er ist nicht der brutale Killer, sondern er ist vermutlich ein sehr kranker junger Mann“, sagte Rehberger. Es gebe Hinweise auf Schizophrenie und auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung und Angststörungen.

Dies könne dazu führen, „dass jemand überreagiert“ und „Dinge tut, die ein normaler Mensch in diesem Moment nicht tut“. Das könnte einer der Gründe sein, warum es dann zu diesen Schüssen kam, sagte der Verteidiger.

Die Anklage wirft dem 19-Jährigen auch versuchten Mord und besonders schweren Raub vor. Mit der Tat habe er seine Beteiligung an dem Tankstellenüberfall verdecken wollen, sagte Nassiry. Außerdem seien die Mordmerkmale Grausamkeit und Mordlust gegeben.

Der Angeklagte soll auf den bereits am Boden liegenden wehrlosen Polizeibeamten noch mal „gezielt aus nächster Nähe mit absolutem Vernichtungswillen“ mehrfach geschossen haben. Den letzten Schuss habe er „fast an den Kopf“ aufgesetzt, sagte der Oberstaatsanwalt.

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