„007 First Light“ im Test
James Bond ist zurück – und muss sich nicht verstecken
29.05.2026 – 11:39 UhrLesedauer: 5 Min.

Nach langer Pause kehrt James Bond zurück auf PC und Konsolen. Wie gut „007 First Light“ ist und wo der Geheimagent schwächelt, zeigt unser Test.
Ohne Smoking, ohne Martini, ohne Doppelnullstatus: In „007 First Light“ ist James Bond zunächst nur ein junger, ungeschliffener Rekrut. Nach 14 Jahren ohne neues Bond-Spiel wagt das dänische „Hitman“-Studio IO Interactive damit einen kompletten Neuanfang – und das Warten hat sich gelohnt.
Die Rolle des berühmtesten Geheimagenten der Welt übernimmt Patrick Gibson, der Zuschauern bekannt ist aus der Serie „Dexter: Original Sin“. Der irische Schauspieler liefert eine überzeugende Performance ab und verkörpert einen jungen, charmanten Bond: schlagfertig, clever und mit einem Hang zur Unbekümmertheit.
Story: Vom Quereinsteiger zum Doppelnullagenten
Zu Beginn ist Bond noch Soldat der Royal Navy. Als sein Team auf einer abgelegenen Insel angegriffen wird, überlebt er als einziger einen Hubschrauberabsturz, schlägt sich durch ein feindliches Lager und rettet Geiseln im Alleingang. Beeindruckt von dieser Aktion lädt MI6-Chefin M den jungen Soldaten in das wiederbelebte 00-Programm ein.
In einem ehemaligen Festungsbau auf Malta durchläuft er seine Ausbildung. Diese dient als Tutorial und zieht sich vor allem für erfahrene Spieler etwas in die Länge. Erst danach führt der erste Einsatz mitten in eine Verschwörung um einen lange verschollenen, abtrünnigen Ex-Agenten und ein Hightech-Unternehmen, das mithilfe Künstlicher Intelligenz die globale Sicherheit aufmischen will.
Die Jagd führt Bond rund um die Welt. Zu den Schauplätzen gehören ein ehrwürdiges Grandhotel in der Slowakei, ein Schwarzmarkt in der mauretanischen Wüste, ein luxuriöses Spa in Vietnam und ein prunkvolles Museum mitten in London. Klassisches Bond-Material also: schnelle Wechsel, exotische Schauplätze und ein Sammelsurium aus alten Bekannten und neuen Gesichtern. John Greenway, gespielt von „The Walking Dead“-Veteran Lennie James, wird zum widerwilligen Mentor des jungen Agenten. Auch Musiker Lenny Kravitz mischt als Bösewicht im Cast mit, und der Titelsong „First Light“ stammt von Lana Del Rey.
Eine große Stärke der Geschichte: Sie nimmt sich Zeit für ihre Figuren. Bonds Kameraden im Ausbildungscamp, seine Vorgesetzten und Kontakte sind sorgfältig geschrieben und in den ruhigen Momenten genauso gelungen wie in der Action. Ohne Schwächen kommt das Drehbuch trotzdem nicht aus. Viele Wendungen kündigen sich frühzeitig an, und ausgerechnet die Bösewichte bleiben weitgehend eindimensional. Wer die Bond-Filme der vergangenen Jahrzehnte kennt, wird hier kaum überrascht.
Gameplay: Spionage mit „Hitman“-DNA
Im Kern ist „007 First Light“ ein Action-Adventure aus der Schulterperspektive, das ständig zwischen Spionage, Schleichen, Kampf und cineastischen Verfolgungsjagden wechselt. Die Stärken des Studios sind dabei unverkennbar. In den größeren Missionsabschnitten haben Spieler mehrere Lösungswege zur Verfügung: Bond kann sich als Kellner am Sicherheitspersonal vorbeischleichen, durch Lüftungsschächte kriechen, Wachen ablenken oder sie mit einer charmanten Lüge austricksen.